"Hünigenstrasse", Konolfingen
Auftraggeber*in
Losinger Marazzi AG
Auftragsart
1. Rang Testplanung im Einladungsverfahren 2024
Programm
Neubau
Nutzung
Wohnen
Ort
Konolfingen
Baujahr
-
SIA 416
Architektur
mrh architektur
Landschaftsarchitektur
DUO Architectes Paysagistes
Fotografie / Visualisierung
PLAY-TIME Barcelona
Texte
Rea Wittwer

Wie wird ein zukunftsorientiertes Quartier entwickelt, das sich harmonisch in das bestehende Dorfbild einfügt, und gleichzeitig auf ortsspezifische Herausforderungen reagiert? Antworten darauf geben wir mit der Arealentwicklung in Konolfingen.

Die Arealentwicklung «Mittendrin» ermöglicht – mit Respekt auf die bestehenden Parzellen und das Dorfbild – ein neues, innovatives Quartier. Dabei stehen Themen wie Grund- und Hochwasser, Mobilität und Parkierung im Zentrum. Genauso relevant ist die Lebensqualität im ganzen Dorf. Wichtig dabei sind neue öffentliche Räume, vielfältige Möglichkeiten und ein nachhaltiges, sorgfältiges Gestalten der Umgebung.

Der neue Dorfplatz verbindet den Bahnhof, den Dorfkern und das neue Quartier an der Hünigenstrasse auf direktem Weg. Durch den Abbruch bestehender Gebäude entsteht beim Gasthof Kreuz ein grosszügiger, multifunktionaler Platz. Ob Märkte, Dorffeste oder temporäre Parkmöglichkeiten, hier gibt es Raum dazu. Der historische Gasthof Kreuz bildet zusammen mit dem neuen Portikus den Auftakt des Quartiers. Genau dieses Zusammenspiel von bestehenden und neuen Komponenten charakterisieren die Arealentwicklung.

Die Baufelder A bis D folgen einem gemeinsamen städtebaulichen Prinzip. Gestaffelte Baukörper ordnen sich massstäblich in das Ortsbild ein. In Baufeld A verbinden Plattformen über einer offenen Parkierungsanlage die Wohnhäuser mit einem flexibel nutzbaren Gebäude am Dorfplatz; ob als Hotel, für eine besondere Wohnform oder öffentliche Anlässe, vieles ist hier möglich. Ein grosser Mehrzweckraum bietet Platz für Feste, Seminare und Quartieranlässe. Kleinwohnungen, Wohngemeinschaften, ein Café und eine Kindertagesstätte ergänzen das Areal und tragen zur Lebensqualität bei.

Baufeld B bildet die erste Etappe. Fünf Wohngebäude bieten Raum für Familien, Paare und Singles. Unterschiedliche Wohnungstypen reagieren auf zeitgemässe, vielfältige Lebensformen. Auch die Spielflächen sind bereits in dieser Phase wichtiger Bestandteil. Die Baufelder C und D führen das Quartier weiter bis zum Bach Chise. Eine bestehende Fabrik mit Sheddach wird aufgestockt und weiterentwickelt. «Wohnen am Wasser», so heisst das zusätzliche Gebäude, welches am Bach das Areal abschliesst.

Ziel des Landschaftskonzepts sind ruhige Ost-West- sowie Nord-Süd-Verbindungen sowie abwechslungsreiche Räume vom Dorf bis zum Bach. Schotterrasenflächen, Parkbereiche, Spiel- und Naturzonen sowie informelle Terrassen sind eng mit den Gebäuden verknüpft. Über Treppen, Wege und Bepflanzung sind zwei Ebenen – die Bodenebene und die Terrassenebene – miteinander verbunden und schaffen fliessende Übergänge zwischen öffentlichen und privaten Bereichen.

Ein wichtiges Prinzip ist die Verwebung der Niveaus: Plattformen, Quartierstrassen und Freiräume laden dazu ein, sich zu treffen. Sie helfen bei der Orientierung, ohne harte Grenzen zu setzen. Ökologische Themen wie Biodiversität, Regenwassermanagement, klimaangepasste Freiräume und Urban Gardening sind selbstverständlich integriert.

Der motorisierte Verkehr wird klar abgetrennt von Fussgängern und Fahrrädern. Eine durchgehende Nord-Süd-Veloverbindung sowie gut erreichbare Veloabstellplätze stärken die nachhaltige Mobilität. Langfristig soll ein Mobilitätskonzept die Anzahl der Parkplätze reduzieren.

Ein identitätsstarkes, durchmischtes Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität prägt die Arealentwicklung «Mittendrin». Flexible Nutzungen, klar gestaltete Aussenräume und die harmonische Verbindung von Architektur, Landschaft und sozialem Austausch schenken Dorf und Quartier einen lebendigen neuen Mittelpunkt mit Lebensqualität.

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