Wie gelingt es, den ursprünglichen Charakte reines über 130-jährigen Gewerbegebäudes wieder sichtbar zu machen, nachdem es seit den Umbaumassnahmen in den 1960-erJahren als Kirchgemeindehaus genutzt wurde? Und wie kann der heutige Umbau einen zeitgemässen Bezug zum Ursprungsbau von 1889 herstellen? Solche Fragen prägen unsere Leidenschaft für das Weiterbauen im Bestand und die Auseinandersetzung mit seinen vielfältigen Möglichkeiten.
Das ursprünglich als Druckerei erstellte CalvinHaus in Bern nimmt mit reduzierten Mitteln – hohen, gefassten Fensteröffnungen, Lisenen und einer differenzierten Sockelausbildung – Bezug auf den historischen Bestand, ohne diesen zu imitieren. So erhält das sanierte Gebäude eine eigenständige, zeitgemässe Identität und bleibt zugleich als Weiterentwicklung des Ursprungsbaus lesbar. Damit gewinnt das Haus auch seine städtebauliche Zugehörigkeit zur Marienstrasse zurück, die es durch den Umbau der 1960er-Jahre verloren hatte.
Drei nach Süden orientierte Innenhöfe bringen Tageslicht in die ehemaligen grossflächigen Druckmaschinenräume im Erd- und Untergeschoss. Sie schaffen die Voraussetzung für attraktive Dienstleistungs-und Büroräume.
In den drei Obergeschossen entstehen zehn neue, moderne Wohnungen. Die Balkone sind geschossweise vor der Fassade angeordnet und bilden eine zusätzliche Fläche zwischen Innen- und Aussenraum. Ergänzt werden sie durch eine grosszügige Dachterrasse sowie begehbare Flachdächer über den Büroräumen. So erhalten alle Wohnungen hochwertige und vielfältige Aussenräume.
Der Umbau des Calvin Hauses zeigt, wie sich der historische Charakter eines Gewerbegebäudes mit zeitgemässer Architektur verbinden lässt, ohne ihn zu imitieren. Überlegte bauliche Eingriffe, passende Materialien sowie neue Innen-und Aussenräume machen die Gebäudegeschichte sichtbar, binden das Haus wiederin seinen städtebaulichen Kontext ein und beziehen zugleich heutige Ansprüchean Wohn- und Arbeitsformen mit ein.



















