Wohnüberbauung Bollpark Süd Boll-Vechigen
Auftraggeber*in
Losinger Marazzi AG
Auftragsart
1. Rang Studienauftrag 2016
Programm
Neubau
Nutzung
Wohnen und Gewerbe
Ort
Boll-Vechigen
Baujahr
2022
2024
SIA 416
16'440 m2 GF I 53'634 m3 GV
Architektur
mrh architektur
Landschaftsarchitektur
Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt, Bern
Fotografie / Visualisierung
Carolina Piasecki, Thun
Texte
Rea Wittwer

Wie können unterschiedlich konzipierte, zeitgemässe Neubauten den ortstypischen Charakter eines Dorfes stärken und zugleich zeitgemässe Dichte erzeugen? Diese Fragen prägen das Neubauprojekt Bollpark Süd.

 

Östlich von Bern liegt Boll, ein Dorf der Gemeinde Vechigen. 2019 wurde der alte Bahnhof Boll-Sinneringen rund 200 Mete rnach Süden verlegt, ein Jahr später dann der neue Bahnhof unter dem Namen Boll-Vechigen eröffnet. Durch diese Verlegung wurden entlang der ehemaligen Bahnanlage Flächen frei, die eine Neuinterpretation und Weiterentwicklung des Ortsrandes ermöglichten.

 

Das Projekt Bollpark Süd legt den Fokus auf zeitgemässe Dichte in einem ländlich geprägten Kontext. Folglich orientiert sich die Bebauung an den Qualitäten der gewachsenen Dorfstruktur und übersetzt diese subtil in eine eigenständige städtebauliche Ordnung. Die einzelnen Baukörper reagieren auf ihre jeweilige Lage, deren Nutzung und Nachbarschaft. So bilden die charakteristischen Häuser ein zusammenhängendes Ensemble.

 

Ein besonderes Augenmerk gilt den Freiräumen: Wenige, aber gezielte Eingriffe nehmen die bestehenden Qualitäten auf und führen sie weiter. Der neue Bahnhof ist klarer Ankunfts- und Umsteigeort,während unterschiedliche Vorzonen, offene Aufenthaltsbereiche, Gärten und der Bachraum lebendige Vielfalt ausstrahlen. Robuste Kiesflächen, informelle Wege und eine zurückhaltende Gestaltung stärken den landschaftlichen Charakter des Ortes. Statt trennende Elemente wie Zäune oder Hecken strukturieren Solitärbäume, ganze Baumgruppen sowie Obst- und Zierbäume die Umgebung und schaffen dadurch unterschiedliche Raumfolgen.

 

Die Anordnung der Gebäude basiert auf wenigen, aber grösseren Bauvolumen. Dadurch bleiben die grosszügigen Freiräume zwischen den Neubauten erhalten. Unterschiedliche Gebäudehöhen, variierende Dachformen und fein abgestimmte Ausrichtungen – die Gliederung der Baukörpe rsorgt dafür, dass sich die Bebauung stimmig in den Ort einfügt. Mit Backstein, Holz, Ziegel und Schindeln, Kalkschlämme und Putz berücksichtigt die Materialisierung regional verankerte Baustoffe. Jeder Baukörper besticht durch ein eigenes Fassadenthema und sorgt so für ein differenziertes und gleichzeitig zusammenhängendes Erscheinungsbild.

 

Die 90 Wohnungen sind unterschiedlich gross, mehrseitig orientiert und bieten geräumige Eckloggien sowie vielfältige Bezüge zum Aussenraum. Dachterrassen und vereinzelte Duplexwohnungen erweitern das Angebot. Eine rationelle Erschliessung und kompakte Gebäudestrukturen gewährleisten die Wirtschaftlichkeit der Bebauung.

 

Ergänzend zum Wohnen sind flexibel nutzbare Flächen für quartierbezogene Angebote vorgesehen: Ein Quartierladen beispielsweise, ein Café oder Imbiss am Bahnhofplatz, Verkaufsflächen oder ein Ärztezentrum sollen das neue Quartier beleben und durchmischen. So entsteht ein dichtes, vielfältiges und landschaftlich eingebundenes Ensemble, das die Entwicklung des Ortes harmonisch weiterführt.

 

Bollpark Süd entwickelt die bestehende Dorfstruktur weiter. In dem ortsbezogene Dichte, differenzierte Freiräume und eine eigenständige architektonische Identität miteinander verbunden werden, entsteht ein zeitgemäss interpretiertes Ensemble mit den Qualitäten des ländlichen Kontexts. Die Bebauung schafft vielfältige Wohn- und Nutzungsmöglichkeiten, stärkt den neuen Bahnhof als Mittelpunkt des Quartiers und leistet einen Beitrag zu einer nachhaltigen und langfristig robusten Entwicklung des Ortes.

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